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Teamgeschichte

Der Hintergrund:
Bereits seit einigen Jahren gibt es auf internationaler Ebene eine separate Frauen-Wertung im 4er-Formationsfallschirmspringen.

Der „Stein des Anstoßes“:
Nachdem Klaus Mathies bei der WM 1999 in Australien festgestellt hatte, dass Deutschland in der Frauen-Wertung nicht vertreten war, erging von ihm im Jahr 2000 ein Aufruf an alle interessierten Fallschirmspringerinnen. So kam der Stein ins Rollen...

Die Entwicklung:
Es entstand das erste deutsche Frauen-Team, dem schon im Gründungsjahr 2000 Birgit Brakhahn und Kristina („Tina“) Monsees angehörten.
2001 nahmen beide Frauen gemeinsam mit Frauke Lympius und Cindy Cooper an den World-Air-Games in Granada (Spanien) teil.
Zum damaligen Zeitpunkt war diese Teilnahme recht umstritten, nicht zuletzt aus männlicher Springer-Sicht.
Doch die Wogen glätteten sich mit der Zeit und die Tendenz bei den deutschen Frauen-Teams ist steigend.

Die Besetzung bei den „Remscheid Damen“ wechselte nach dem DFV-Cup im Jahr 2002: Birgit und Tina, die zusammen mit Frauke und Cindy eine Silbermedaille gewannen, taten sich mit zwei Frauen aus dem drittplatzierten Team „Futura Nuvola“ zusammen: Katrin Schreyer und Susanne („Suse“) Fleig.

Diese viel versprechende Konstellation entwarf einen ausgeklügelten Trainingsplan für das Jahr 2003, um bei der Deutschen Meisterschaft, der ersten mit einer offiziellen Frauen-Wertung, die anderen Springer/innen das Fürchten zu lehren.
Doch leider verletzte Suse sich bei einem Trainingssprung kurz vor der Norddeutschen Meisterschaft, sodass guter Rat teuer war.
Mit „Ersatzfrau“ Antje Prochnow und ohne einen einzigen Trainingssprung nahmen die „Remscheid Damen“ dann an dem Wettbewerb teil und erzielten einen beachtlichen
Schnitt von 9,6 Punkten.
Antje, Birgit, Katrin und Tina, die derzeitigen „Remscheid Damen“, erreichten anschließend bei der Deutschen Meisterschaft 2003 den zweiten Platz; die magische Hürde von 10 Punkten wurde überwunden: Sie erzielten einen Schnitt von 10,1 Punkten.
Am Ende dieser Saison verließ der „altgediente“ Videomann Hartmut Neumann die Damen und stieg erfolgreich in das Freefly-Geschäft ein; mit seinem Team FFP hat er zahlreiche Titel errungen.

Auch im Jahr 2004 haben sich die „Remscheid Damen“ wieder gemeinsam aus Flugzeugen gestürzt, allerdings in etwas veränderter Besetzung:
Birgit Brakhahn hat sich aus privaten Gründen vom wettkampf-orientierten Fallschirmsport zurückgezogen; an ihre Stelle ist Susanne Fleig getreten, die sich von ihren Verletzungen des letzten Jahres gut erholt hat.
Für Hartmut Neumann kam Wolfgang Hagedorn ins Team, er ist nicht nur ein guter Videomann, sondern auch ein erfahrener Vierer-Springer.

Beim DFV-Cup gelang es den Damen erneut, die "magische Hürde" von 10 Punkten zu "überspringen":
Sie schafften eine Schnitt von 10,7 Punkten und wurden somit bestes Frauenteam des DFV-Cups.
Bei einem Tunnelcamp in Paris - zusammen mit der
4er-Herren-Mannschaft des FSC-Remscheid wurde diese Saison erfolgreich und mit Spaß abgeschlossen.

2005:
Es ist geschafft: Die Remscheid Damen sind Deutscher Meister im Formationsspringen 4er Damen!!!
Wie es dazu kam?
Die Saison begann mit einem verunglückten Tunnelcamp in Zürich - der Tunnel ging kaputt. Das erste Trainingscamp in Deutschland war verregnet und kalt; und das im Mai!
Mit Hilfe eines Zwischenhocheinflusses konnten beim nächsten Camp viele Sprünge absolviert werden; doch das darauf folgende Trainingslager war wieder verregnet. Kurz entschlossen fuhren die Remscheid Damen Antje, Katrin, Suse und Tina für ein Wochenende nach Paris in den Windtunnel, um den Trainingsrückstand aufzuholen. Wieder in Deutschland hatte sich das Wetter etwas gebessert, und es konnten noch einige Formationen an den Himmel gezaubert werden.
Auch wurde das Training der Damen in regelmäßigen Abständen von Martin Stromeyer begleitet und unterstützt, der mit ihnen die Grundlagen des Mentalen Trainings erarbeitete.
Eine Woche vor der Deutschen Meisterschaft feierten die Damen dann Abschied, vom Sprungplatz in Höxter und vom Team, denn mit dem Gewinn der Meisterschaft hatte keine der Damen gerechnet - nur einer war sich sicher: Trainer Christoph Aarns!
Er schloss sogar eine Wette mit Antje ab; das Ergebnis: Antje musste sich einen Kurzhaarschnitt zulegen.
Um auf die eingangs gestellte Frage zurückzukommen, wie es dazu kam, dass die Damen Meisterinnen wurden, muss man zunächst zwei weitere Fragen stellen: Reicht Mentales Training? ;-)
Wird Training überbewertet? ;-) (viel gestellte, aber nicht wirklich ernst gemeinte Fragen im Laufe eines verregneten Sommers)
Die Antwort kann nur lauten:
Mit Konzentration, Hochhalten der Stimmung (trotz schlechten Wetters), einigen Tunnelcamps, mentalem Training, springerischem Können und Spaß ist vieles möglich!

Winter 2005/2006:
Nach der Deutschen Meisterschaft kam ein wenig Bewegung in die Mannschaft des Damen-Vierers: Tina, langjähriger Teamcaptain, schied aus persönlichen Gründen aus dem Team aus. Die übrigen Damen, Suse, Katrin und Antje, holten kurzentschlossen Birgit, die jetzt in DeLand (Florida) lebt, zurück in die Mannschaft – schließlich kennt man sich.
Doch das gemeinsame Trainingslager dieser Besetzung stand unter keinem guten Stern: Antje verletzte sich bei unglücklichen Windverhältnissen bei einer Landung am Sprunggelenk und ist für längere Zeit außer Gefecht gesetzt; so lange, dass ihre Teilnahme an der WM nicht möglich sein wird. Was war jetzt zu tun? In einer Mannschaft dürfen schließlich nur 25% des Teams (also eine Person beim 4er bzw. zwei Personen beim 8er) ausgetauscht werden. Schnell erfolgte also ein Anruf bei Tina und die Zusage kam prompt.
Das Team-Karussell hat sich somit nur etwas und auch nur in einem kleinen Kreis gedreht, denn die Besetzung der Mannschaft mit Susanne Fleig, Kristina Monsees, Birgit Powell und Katrin Schreyer gab es bereits im Jahr 2003. Man könnte daher auch sagen: Der Kreis hat sich geschlossen.

Saison 2006:
Um es gleich mal vorweg zu nehmen:
Die Saison 2006 war der bisherige Höhepunkt im Werdegang der Remscheid-Damen!

Das Tunnelcamp im Mai in Bedford, England, verlief sehr vielversprechend, und wie erwartet gelang die Reintegration von Kristina „Tina“ Monsees problemlos. Sie und die drei anderen Damen Birgit, Katrin und Suse wurden durch dieses „Trockentraining“ und durch den vor Ort anwesenden Trainer Pete Allum (National-4er Italien) gut auf den Sommer mit Training und Weltmeisterschaft eingestimmt.
Während des Trainings im Sommer dann profitierten die Damen und Videomann Wolfgang vom grandiosen Wetter und konnten springen, springen, springen...

Das Training in Eisenach, Thüringen, war wie schon das Tunnelcamp in England sehr erfolgreich und veranlasste Trainer Christoph Aarns (mal wieder) zu guten Prognosen.

Pünktlich zu Beginn der Weltmeisterschaft in Gera, Thüringen, kippte das Wetter, sodass der Wettbewerb nicht vollständig durchgeführt werden konnte (denn durch Wolken darf man bekanntlich nicht springen). Häufig mussten die Mannschaften wieder mit dem Flugzeug landen, noch häufiger jedoch begaben sie sich zu den bereit stehenden Flugzeugen und mussten wenig später unverrichteter Dinge wieder umkehren. Der „berühmteste“ Satz dieser WM lautete: „Ding, Dong, Competitors, all calls are cancelled!“
Dennoch war der Wettbewerb für die Remscheid-Damen ein voller Erfolg: Sie erreichten nach fünf Runden (statt der vorgesehenen zehn) einen beachtlichen 5. Platz (Erste wurden die Engländerinnen vor Frankreich und den USA, Vierte wurden die Russinnen) in der Damen-Wertung, an der insgesamt zwölf Nationen teilnahmen. Sowohl mit der Platzierung als auch mit dem erzielten Schnitt von 13,2 Punkten übertrafen die deutschen Damen die in sie gesetzten Erwartungen bei weitem.

Das Fazit:
Es war eine anstrengende Saison.
Es war eine aufregende Saison.
Es war eine erfolgreiche Saison.
Und Spaß hat´s gemacht!!!

Foto: Boris Nebe
blueskies-design.de